Wasserfahren

Wasserfahren

Das Wasserfahren ist eine typische Schweizer Traditionssportart. Gefahren wird mit dem klassischen Flussweidling, welche bereits die Fischer und Flösser in früheren Zeiten benutzten. Die Wasserfahrer fahren den Weidling alleine oder zu zweit mit Blick nach vorne. Dazu verwenden sie flussabwärts oder zur Flussüberfahrt das Ruder, welches im Stüdli (Rudernagel) lose angelegt ist. Flussaufwärts wird der Weidling am Ufer entlang mit dem Stachel vorwärtsbewegt.

Sie&Er-Fahrpaar in Aarburg

Weidling

Der Weidling ist ein Ruderboot mit einem flachen Boden. Deshalb kann man den Weidling auch in Gewässer mit wenig Wassertiefe fahren. Dieser Bootstyp ist mit rund 5000 Jahren wohl einer der ältesten Schiffsbautypen der Welt. Er ist zirka 10 Meter lang und ungefähr 350 Kilogramm schwer. Früher war es aus Holz heute ist er mehrheitlich aus Kunststoff gebaut. Das Weidlingsfahren steht auf der Liste der lebendigen Traditionen der Schweiz.

Junge Wasserfahrer auf der Aare in Rupperswil

Wettfahren

Während den Sommermonaten finden verschiedene Wettfahren statt. Diese werden als Paarwettfahren durchgeführt, wo pro Weidling zwei Fahrer starten, oder als Einzelwettfahren mit jeweils einem Fahrer. Es gilt eine ausgesteckte Fahrstrecke aus Ruder- und Stachelfahrten mit Ausfahrten, Durchfahrten oder Ziellandungen zu passieren. Das Ziel dabei ist die Strecke möglichst schnell und richtig zu befahren. Die Teilnehmer sind in verschiedene Kategorien nach Alter aufgeteilt. Jede Kategorie hat ihre eigene Strecke, welche in der Regel zwischen vier und fünf Minuten dauert.

Wattkampfschiff am Woog Cup in Aarburg

Geschichte

Das Wasserfahren oder Weidlingsfahren wird in verschiedenen Arten in der Schweiz seit Jahrhunderten ausgeübt. Im Mittelalter gab es viele Flösser und Fischer, die sich im Ausgleich zum Beruf in Zünften organisierten. Daraus durften sich die Geschicktesten im sportlichen Wettkampf messen. Mitte des 19. Jahrhunderts bildete die Armee die ersten Pontonierkompanien, um für das Fussvolk Möglichkeiten zum Überqueren der Flüsse zu schaffen. Dadurch kamen die grossen Erfahrungen und Flusskenntnisse jener Schiffer und Flösser der jungen Schweizer Armee zugute. Mit dem Ausbau der Strassen, dem Vormarsch der Eisenbahn und dem Bau der Flusskraftwerke nahm das Schiffergewerbe rapide ab. Damit das Wasserfahrerhandwerk weiterhin ausgeübt werden konnten, wurden die ersten Vereine und Clubs gegründet.

Historisches Bild von der Aarburger Woog

Vereine

Die 30 Wasserfahrvereine sind im Schweizer Wasserfahrverband (SWV) vereint. Als erster Wasserfahrverein wurde im Jahre 1869 der Limmat Club Zürich gegründet. Der bisher letzte gegründete Verein ist der WFV Rupperswil (1977). In einzelnen Kantonen gibt es auch Kantonalverbände oder Interessensgemeinschaften. Vereine gibt es an der Aare, Reuss, Limmat und Rhein in den Regionen Basel, Bern, Zürich und im Aargau.

Wasserfahrer am Schiffe putzen

Pontoniere

Verwandt mit dem Wasserfahren ist der Pontoniersport. Die Armee unterstützt diesen massgebend. Die aktiven Pontoniere fahren mit dem Ponton, dem Übersetzboot, und die Jungpontoniere mit dem Weidling. Das Ruder ist mit einem Strick angebunden. Die Wettkämpfe der Pontoniere werden nach einem eigenen Wettkampfreglement ausgetragen. Die 41 Vereine sind im Schweizerischen Pontonier-Sportverband organisiert.

Pontoniere am Rudern